Jugendarbeit unverzichtbar für Integration und Teilhabe: Hälfte der Integrationspreise für die Jugendverbandsarbeit!

Gestern Abend überreichten Ministerpräsident Stephan Weil und die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, zum neunten Mal den niedersächsischen Integrationspreis. Dieses Jahr stand die Ausschreibung des Preises unter dem Motto „Integration in Vereinswesen und Nachbarschaft“, und Vereine, Initiativen und Institutionen, die sich in diesem Bereich engagieren, konnten sich bewerben oder vorgeschlagen werden. Bis zum offiziellen Einsendeschluss waren über 160 Vorschläge – darunter etliche Organisationen aus der Jugendarbeit – bei den Verantwortlichen eingegangen. Zwei der vier Integrationspreise gingen an Projekte der Jugendverbandsarbeit. Zusätzlich vergab das Bündnis „Niedersachsen packt an“ noch einen Sonderpreis.

Die Jugendabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Heiningen der Samtgemeinde Oderwald wurde ausgezeichnet, da von den 14 aktiven Mitgliedern neun aus Migrant-inn-enfamilien stammen. Neben dieser tollen Umsetzung von Teilhabe haben sie darüber hinaus noch herausragende Leistungen im Trainingseinsatz gezeigt, als sie den 1. Platz bei den Samtgemeindewettbewerben der Jugendfeuerwehren erzielt haben. Dieses Ergebnis lässt auf eine gute Teamleistung und somit einen weiteren Beitrag zu gelungener Integration schließen. „Wir sind voller Stolz und sehr glücklich mit dieser Entscheidung“, schreibt die Freiwillige Feuerwehr Heiningen auf ihrer Facebookseite über die Auszeichnung. Im Gespräch erläutert Jacqueline Huld, Jugendfeuerwehrwartin der Freiwilligen Feuerwehr Heinigen, die Hintergründe zur Ehrung ihrer Gruppe: „Nach dem Kennenlernen bei einem Umzug haben drei geflüchtete Jugendliche in den Dienst reingeschnuppert und sind geblieben. Nach und nach haben sie weitere Familienmitglieder und Bekannte mitgebracht und dadurch ist die örtliche Jugendfeuerwehr wieder aufgeblüht und zu einem tollen Team gewachsen.“

André Lang, Landesjugendfeuerwehrwart der niedersächsischen Jugendfeuerwehr, lobt dieses Engagement: „Jede Jugendfeuerwehr und damit auch jede einzelne handelnde Person vor Ort, die sich mit einem für sie neuen Thema auseinandersetzt – sei es Inklusion, Integration oder Öffnung für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt –, ist ein Vorbild und kann ein wichtiges Beispiel für weitere Jugendgruppen innerhalb und außerhalb der (Jugend-)Feuerwehr sein, die dieses Thema angehen, es weiter denken und etwas bewegen wollen.“

Auch der Naturfreundejugend Braunschweig sind Vielfalt und gleichberechtigte Teilhabe wichtig. In der Satzung des Erwachsenenverbandes der Naturfreunde Deutschlands, auf die sich die Naturfreundejugend bezieht, wird festgestellt: „Sie wollen mithelfen an der Schaffung einer Gesellschaft, in der niemand seiner Hautfarbe, Abstammung, politischen Überzeugung, seines Geschlechts oder Glaubens wegen benachteiligt oder bevorzugt wird und in der alle Menschen gleichberechtigt sind und sich frei entfalten können.“ Diese Vision wurde seit 2016 durch das ausgezeichnete Projekt „Unter Freunden“ im besonderen Maße umgesetzt: Das Projekt „Unter Freunden – Projekt zur Partizipation und Inklusion geflüchteter Kinder und Jugendlicher in Braunschweig und Umgebung“ hat junge Menschen mit und ohne Zuwanderungshintergrund zusammengebracht durch Patenschaften, Sport, Rap-Workshops, Deutschkurse und Ausflüge. Durch das Zusammenkommen im Verein sind Bekanntschaften zustande gekommen und oft zu Freundschaften gewachsen. Ziel des Projekts ist es, die Arbeit mit Geflüchteten als selbstverständlichen Bestandteil des Vereinslebens zu etablieren. „Das ist uns zum Glück gut gelungen in der zweijährigen Projektlaufzeit, und wir freuen uns sehr über den Preis. Wir freuen uns besonders, dass das Projekt um zwei Jahre verlängert wurde und es weitergehen kann“, so Projektleiter Jan Kiegeland.

Diese beiden Preisträger-innen aus der Jugendarbeit zeichnen ein schönes Bild, wie sich Jugendgruppen und Jugendverbände in die Gesellschaft einbringen. Oliver Ohm, Fachvorstand Vielfalt im Landesjugendring und Bildungsreferent bei der Naturfreundejugend, betont: „Die Öffnung der Angebote der Jugendarbeit für junge Geflüchtete und Jugendliche mit familiärer Migrationsgeschichte sind ein wichtiges Anliegen des Landesjugendrings und der Mitgliedsverbände. Wir sind froh über und stolz auf jede Jugendgruppe, die sich in dem Bereich engagiert. Zum Glück gibt es viele davon.“

Unter den Preisträger-inne-n ist leider keine Selbstorganisation von (jungen) Menschen mit (familiärer) Migrationsgeschichte. Bewerbungen aus dem Kreis entsprechender Organisationen wurden aber eingereicht. Diese leisten oftmals wichtige Beiträge und sind unverzichtbare Partner-innen, um Integration und Teilhabe von Neuankommenden zu ermöglichen. Aber auch um Zugehörigkeit, Demokratiebildung und Zugang zu Strukturen zu erfahren, sind sie für hier geborene (Enkel-)Kinder von Migrant-inn-en von hoher Bedeutung. Leider sind vor allem Vereinigungen junger Menschen mit (familiärer) Migrationsgeschichte rein ehrenamtlich organisiert und haben dadurch weniger Kapazitäten und Ressourcen, leisten aber trotzdem Bemerkenswertes. Um diese Organisationen zu stärken, zu fördern und ihre Teilhabe zu verbessern, braucht es besondere Unterstützung. Auf der kommunalen Ebene ist es wichtig, sie in die örtliche Jugendförderung zu integrieren; für die landesweit tätigen Organisationen bedarf es einer Anschubförderung, um ihnen einen langfristigen Einstieg in die Regelförderung zu ermöglichen.

Bei dem stimmungsvollen Festaktim Alten Rathaus sorgte der Unterwegs.Chor Hildesheim für gute Stimmung und ein Schmunzeln. Ministerpräsident Stephan Weil betonte in seiner Rede, dass Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Er hat wiederholt gesehen, wie alle mit anpacken und es macht ihn stolz, wie viele Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte sich in Niedersachsen für ein gutes Ankommen und Zusammenleben einsetzen. Die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, lobte in ihrer Ansprache das Engagement von Migrant-inn-enselbstorganisationen und zeigte sich erfreut, dass auch viele junge Menschen in den letzten Jahren besonders aktiv geworden sind.