Die Vielfalt der Vielfalt – die Bandbreite von Vereinigungen von jungen Menschen mit Migrationsgeschichte

Migrant-inn-enjugendselbstorganisationen (MJSOen) und Vereinigungen junger Menschen mit Migrationsgeschichte (VJMs) bestehen größtenteils aus jungen Menschen, die selbst oder deren (Groß-)Eltern nach Deutschland zugewandert sind.

neXTkultur in der „korrespondenz Nr. 132”

Es gibt viele verschiedene Gemeinsamkeiten anhand derer sich die Gruppen zusammenfinden. Teilweise als Teil einer Gruppe oder eines Vereins, der sowohl Erwachsene als auch Jugendliche angehören, teilweise auch als eigenständige Jugendgruppe.
So gibt es herkunftshomogene Organisationen, bei denen die Personen selbst oder ein Elternteil aus einem bestimmten Land kommen und sich über die gemeinsame Sprache, Feste und Feiertage sowie Diskussionsveranstaltungen und politisches Engagement rund um das Land der Herkunft (der Eltern) zusammenschließen. Hier gibt es Gruppen fast aller Länder, aber  die deutsche Einwanderungsgeschichte beeinflusst am meisten Gruppen türkischer Herkunft. Es gibt u.a. aber auch russisch, iranisch, polnisch, italienisch oder sudanesisch geprägte Gruppen, um nur einige zu nennen.
Daneben gibt es glaubensgebundene Organisationen, die sich auch auf bestimmte Herkunftsländer beziehen können, aber vor allem die gemeinsame Religion in den Mittelpunkt stellen. Am ehesten denkt man wahrscheinlich an muslimische Gruppen, aber es sind auch alevitische, assyrische, jüdische und yezidische Gruppen zu nennen. Letztere  vereinen oft Menschen verschiedener Herkunftsländer, andere haben sich über die Jahre geöffnet, denn z.B. in vielen türkisch geprägten muslimischen Jugendgruppen gibt es Mitglieder aus anderen Herkunftsländern, besonders im ländlichen Raum, wo es wenige islamische Kulturzentren und Moscheevereine gibt.  
Auch gibt es herkunftsheterogene Gruppen mit anderem verbindendem Element wie z.B. Geflüchteten-Organisationen, deren Mitglieder aus verschiedenen Ländern geflüchtet sind, oder auch Gruppen junger Roma, in denen christliche und muslimische Roma organisiert sind, die selbst oder deren Eltern aus verschiedenen Ländern eingewandert sind. Organisationen und Netzwerke, die eine offene Haltung zur Frage haben, was Deutschsein und Migrant-insein bedeutet, sind z.B. Gruppen schwarzer Deutscher und Netzwerke von People of Color, in denen sich Menschen mit Rassismuserfahrung austauschen und organisieren. Diese verbinden postmigrantische Anschauungen, hybride Identitäten und die geteilte Rassismuserfahrung.
Trotz der vielen Unterschiede haben die meisten gemeinsam, dass sie rein ehrenamtlich arbeiten. Bekämpfung von Rassismus und Benachteiligung sowie Professionalisierung von Organisationsstrukturen sind bei den meisten Gruppen Handlungsfelder und Anliegen.
Für eine weitere Beschäftigung mit dem Thema wird auf eine Klassifikation aus dem Buch „Engangierte Migranten“ verwiesen, welches in dieser Ausgabe der „korrespondenz” rezensiert ist.